Infos zur EnEV ab 2016

EnEV ab 2016

Als Berliner Dachdecker Meisterbetrieb sehen wir uns als Partner für Architekten, Bauherren und Hausverwaltungen. Deswegen hier das Wichtigste in Kürze zur neuen EnEV.

Weil in den Medien häufig von der „neuen EnEV 2016“ die Rede ist, meinen viele Bauherren, dass es eine gesonderte Fassung der Verordnung gäbe. Das ist nicht der Fall! Die EnEV 2014 selbst regelt die erhöhten Anforderungen ab 2016. Das betont Dipl.-Ing. UT Melita Tuschinski, die seit langem das führende Experten-Portal www.EnEV-online.de als Herausgeberin und Redakteurin betreut.

Seit Mai 2014 gilt bundesweit die aktuelle EnEV 2014. Sie erfüllt jedoch nur teilweise die europäischen Vorgaben der EU-Richtlinie für Gebäude von 2010. Letztere fordert, dass die Mitgliedsstaaten den Niedrigst-Energiestandard für Neubauten einführen: öffentliche Gebäude ab 2019 und alle anderen Gebäude ab 2021. Damit nicht alle zwei Jahre eine neue Fassung in Kraft tritt, hat der Bund einen höheren Energiestandard für Neubauten ab 2016 mit eingebunden, d.h. mit effizienterer Technik zum Heizen, Wasserwärme, Lüften und Kühlen sowie besser gedämmten Fenstern, Außenwänden, Dächern und unteren Decken. Dieses ist ein Schritt in Richtung des von der EU geforderten Niedrigstenergiegebäudes. Dessen Energiebedarf liegt bei fast Null und sollte größtenteils durch erneuerbare Energien gedeckt werden – z.B. über Solaranlagen, Biogas, Holzheizung oder Wärmepumpen.
Neubau und Bestand

  1. Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) an neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 Prozent ab 1.1.2016. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss zudem im Schnitt etwa 20 Prozent besser ausgeführt werden.
  2. Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden und nach dem 1.1.1985 eingebaut wurden, müssen nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden. Wurden die entsprechenden Heizkessel vor 1985 eingebaut, dürfen diese schon ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie für bestimmte selbstnutzende Ein- und Zweifamilienhausbesitzer.
  3. Oberste Geschossdecken in Bestandsgebäuden, die nicht den Mindestwärmeschutz erfüllen, müssen ab dem 1.1.2016 gedämmt sein (U-Wert kleiner/gleich 0,24 W/m² K). Die Forderung gilt als erfüllt, wenn das darüber liegende Dach gedämmt ist oder den Mindestwärmeschutz erfüllt.
  4. Für den Gebäudebestand sind darüber hinaus keine wesentlichen Verschärfungen vorgesehen.
  5. Neuskalierung des Bandtachos im Energieausweis für Wohngebäude bis 250 kWh/(m²a) und Stärkung der Modernisierungsempfehlungen. Der Bandtacho wird zusätzlich durch Energieeffizienzklassen von A+ bis H ergänzt.
  6. Verkäufer und Vermieter von Immobilien sind künftig verpflichtet, den Energieausweis an Käufer bzw. Mieter zu übergeben. Der Energieausweis muss bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden.
  7.  Energetische Kennwerte (Endenergie) müssen künftig im Falle des Verkaufs oder der Vermietung in Immobilienanzeigen angegeben werden. Liegt ein Energieausweis mit Energieeffizienzklasse vor, muss die entsprechende Einstufung auch veröffentlicht werden.
  8. Erweiterung der Aushangpflicht für Energieausweise für öffentliche Gebäude mit starkem Publikumsverkehr ab 500 m² Nutzfläche (ab dem 8. Juli 2015 mehr als 250 m²) und entsprechende private Gebäude ab 500 m² Nutzfläche.
  9.  Senkung des Primärenergiefaktors von Strom auf 2,4 und ab 2016 auf 1,8.
  10.  Einführung von Stichprobenkontrollen für Energieausweise.
  11.  Einführung eines Kontrollsystems für Inspektionsberichte von Klimaanlagen.

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Wo findet man detaillierte Infos zu den Anforderungen der EnEV ab 2016?

In der Anlage 1 „Anforderungen an Wohngebäude“ beschreibt die Verordnung in der ersten Zeile der Tabelle 1 „Ausführung des Referenzgebäudes“, dass der berechnete Jahres-Primärenergiebedarf des entsprechenden Referenzhauses ab 2016 mit 0,75 multipliziert wird. Die so geminderte Höchstgrenze für den Jahres-Primärenergiebedarfs des zu planenden Wohnhauses erhöht folglich dessen Energieeffizienz.

Auch in der selben Anlage regelt die EnEV 2014 die Wärmeschutz-Anforderungen für die Bauhülle ab 2016 unter Nummer 1.2 „Höchstwerte des … Transmissionswärmeverlustes“. Die Minderung des Primärenergiefaktors für Strom auf den Wert 1,8 bei der Gebäudebilanzierung findet sich auch in der Anlage 1 „Anforderungen an Wohngebäude“ unter Nummer 2.1 „Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs“.

Welche Bauvorhaben fallen unter den erhöhten Standard ab 2016?

Unter die geänderten EnEV-Vorgaben ab 2016 fallen Bauprojekte, für die der Bauherr folgende Schritte unternimmt, je nachdem, was die Bauordnung seines Bundeslandes fordert:

  • Der Bauherr reicht den Bauantrag im Jahr 2016 oder später bei der Baubehörde ein.
  • Der Bauherr erstattet die Bauanzeige im Jahr 2016 oder später dem zuständigen Amt.
  • Der Bauherr beginnt das Bauprojekt – für das er weder eine Genehmigung noch eine Anzeige oder ein sonstiges Verfahren benötigt – im Jahr 2016 oder später auszuführen.

Was ändert sich für neue Wohnhäuser ab 2016?

Neue Wohngebäude, die unter die erhöhten Energievorgaben ab 2016 fallen, sind noch energieeffizienter, d.h. sie benötigen noch weniger Primärenergie zum Heizen, Wasser erwärmen und Lüften und sie verlieren noch weniger Wärme über ihre Außenhülle.Dafür hat die Verordnung ihre Messlatte für die Kennwerte der Energieeffizienz geändert. Der höchstzulässige Jahres-Primärenergiebedarf, der anhand eines Referenzhauses mit gleicher Geometrie und Ausrichtung wie das neue Haus – jedoch nach EnEV-Standard ausgestattet – mindert sich um 25 Prozent. Auch darf die Gebäudehülle des neuen Hauses nicht mehr Wärme nach außen verlieren als das Referenzhaus.

Bisher konnten neue Wohnhäuser die EnEV-Vorgaben auch erfüllen, indem sie mit einer besonders guten Heizung (beispielsweise aufgrund erneuerbarer Energien wie Holzpellets) ausgestattet waren und mit einem geringeren Wärmeschutz der Außenhülle als das Referenzhaus. Der Bund verspricht sich durch diese Vorgabe einen 20-prozentigen besseren Wärmeschutz der Außenhüllen von Wohnhäusern.

Bestehen beim Kauf/Verkauf eines Wohnhauses Anforderungen an die EnEV? (Nachrüstverpflichtungen)

Ein komplett ungedämmtes Dreifamilienhaus soll verkauft werden. Welche Anforderungen bezüglich Dämmung kommen auf die Käufer zu? Was geschieht, wenn die neuen Eigentümer ihrer Verpflichtung nicht nachkommen?  Es gibt laut EnEV §10 drei so genannte Nachrüstpflichten, die ohne weiteren Anlass durchgeführt werden müssen, bzw. seit dem 31.12.2015 abgeschlossen sein müssten:

  1. Zugängliche oberste Geschossdecken, die einen beheizten Raum von einem unbeheizten Dachraum abtrennen, müssen gedämmt sein, wenn sie nicht den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 entsprechen. Alternativ kann das darüberliegende, bislang ungedämmte Schrägdach gedämmt werden. Diese Anforderung gilt seit 1. Januar 2016.
  2. Ungedämmte Heizungs- und Warmwasserleitungen, die durch den Keller oder sonstige unbeheizte Räume gehen, sind zu dämmen.
  3. Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden, dürfen nach Ablauf von 30 Jahren nicht mehr betrieben werden. Ausgenommen davon sind Niedertemperatur- oder Brennwertkessel.  Bei selbstgenutzten Ein- und Zweifamilienhäusern müssen diese Nachrüstverpflichtungen jedoch erst nach einem Verkauf des Gebäudes umgesetzt werden. Der neue Eigentümer hat dazu 2 Jahre Zeit. Die Umsetzung der beiden erstgenannten Pflichten (Heizkessel und Leitungen) wird nach §26b der EnEV durch den Schornsteinfeger kontrolliert.  Diese Maßnahmen haben sich als durchweg wirtschaftlich erwiesen. Ausnahmen bestehen für selbstgenutzte Einfamilienhäuser (auch inkl. Einliegerwohnung). Nach Eigentümerwechsel ist der neue Eigentümer verpflichtet, innerhalb der ersten zwei Jahre nach Eigentumsübergang die Maßnahmen durchzuführen.
    Die Nichterfüllung dieser Pflichten verstößt gegen die EnEV, ist jedoch nicht nach § 27 ordnungswidrig. Weitere Anforderungen werden erst dann gestellt, wenn Änderungen an der Gebäudehülle durchgeführt werden. Sollen z. B. die Fenster ausgetauscht werden, so muss der U-Wert der neuen Fenster 1,30 W/(m²K) oder weniger betragen. Ähnliches gilt für Außenwände, Dach, Kellerdecken. Die zulässigen Höchstwerte sind der EnEV, Anlage 3 Tabelle 1 zu entnehmen.

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Dämmung der obersten Geschossdecke: Welcher Zeitraum ist nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot maßgebend?
FRAGE: Für die nachträgliche Dämmung der obersten Geschossdecke ist nach EnEV 2009 die Wirtschaftlichkeit maßgebend. Gemäß §25 EnEV 2009 müssen nachträgliche Maßnahmen an Gebäuden „innerhalb einer angemessenen Frist“ durch die eintretenden Einsparungen erwirtschaftet werden.
Welcher Zeitraum ist hierfür EnEV-Konform als „angemessen“ anzusetzen?

ANTWORT: Unabhängig von § 25 EnEV, Befreiungen, beinhaltet § 10 EnEV, Nachrüstungen bei Anlagen und Gebäuden, bereits eine eigene Regelung durch Absatz 6, nach der die Pflicht zur Erfüllung der Anforderungen des § 10 nicht besteht:
„§ 10, Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden (6) Die Absätze 2 bis 5 sind nicht anzuwenden, soweit die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können.“
In der Begründung zur EnEV heißt es hierzu: „In diesen Fällen bedarf es insoweit einer Abweichungsentscheidung der Behörde nicht. Soweit es allerdings um andere Aspekte der unzumutbaren Härte im Sinne des § 25 als um die Frage der Wirtschaftlichkeit geht, bleibt es bei der Anwendbarkeit des § 25.“ Absatz 6 wurde insbesondere in Hinsicht auf die in EnEV 2009 aufgenommenen Anforderungen an begehbare oberste Geschossdecken eingeführt, da hier besondere Umstände wie beispielsweise vorhandene Abstell- oder Trockenräume für die Nutzung durch Mieter zu unangemessenem Aufwand durch erforderliches Freiräumen, Beseitigen von Einbauten und Nutzungsausfall, dazu führen können, dass eine Maßnahme zur Erfüllung dieser Nachrüstpflicht für den Eigentümer unwirtschaftlich ist, zudem es sich hier nicht um eine freiwillige Maßnahme sondern um eine festgesetzte Pflicht zur Nachrüstung handelt.
Die EnEV untersteht dabei dem Wirtschaftlichkeitsgebot des § 5 Abs. 1 EnEG, nach dem die aufgestellten Anforderungen wirtschaftlich vertretbar sein müssen. Dies ist dann der Fall, wenn den Kosten für eine geforderte Maßnahme solche Einsparungen an Kosten für Energie gegenüberstehen, dass sich die Maßnahme für den Betreiber eines Gebäudes wieder amortisiert. Dabei sollten die aufgebrachten Kosten durch Einsparung von Energiekosten „innerhalb angemessener Frist“ wieder erwirtschaftet werden können.
Die EnEV hat dabei nicht festgelegt, welche Frist hier als angemessen anzunehmen ist. Ein Zeitraum von 30 Jahren aber wird als deutlich unangemessen anzusehen sein. In der bisherigen Rechtsprechung, wie beispielsweise zu Sanierungsbeschlüssen in Wohnungseigentümer-gemeinschaften, wurde von einem maximalen Zeitraum von etwa 10 Jahren ausgegangen, welcher als angemessene Frist auch entsprechend angesetzt werden kann.
Bagatellgrenze
Die Eigentümer eines Altbaus möchten die Süd- und Westfassade dämmen lassen. Die Nordfassade wurde vor fünf Jahren ohne Dämmung Instand gesetzt: es erfolgten eine Ausbesserung des Wandputzes in kleinen Flächen und ein komplett neuer Anstrich. Jetzt soll die Süd- und Westfassade gedämmt werden, die größer ist als 10 % der gesamten Bauteilfläche. Muss nun nach EnEV §9 (3) auch die Nordfassade gedämmt werden?
Wie die Bagatellregel zu verstehen ist, soll am Beispiel der Fenster erklärt werden: Bei einem Haus mit elf gleichgroßen Fenstern möchte der Hauseigentümer eines austauschen. Damit würden 9 % der Fensterfläche (< 10 % = Bagatellgrenze) saniert und die EnEV würde keine Anforderungen an die Qualität des Fenster stellen. Hätte das Haus aber nur insgesamt neun Fenster, wären beim Austausch von einem Fenster 11 % der Fensterfläche betroffen. Der Hauseigentümer müsste die Anforderungen der EnEV für das auszutauschende Fenster erfüllen. Die restlichen Fenster bleiben unberührt.
Wenn also im beschriebenen Fall die Süd- und Westfassade saniert werden, müssen diese die Anforderungen der Tabelle 1, Anlage 3 der EnEV einhalten, da die Bauteilfläche (Süd- und Westfassade ) die Bagatellgrenze von 10 % für die gesamte Bauteilfläche Außenwand überschreitet. Die Nordfassade muss jedoch nicht saniert werden, wenn keine der Maßnahmen nach Abschnitt 1 der Anlage 3 daran durchgeführt werden.
Die Kontrolle der Einhaltung von Nachrüstpflichten gehört zu den Aufgaben des Bezirksschornsteinfegermeisters. Nach aktuell gültiger EnEV ist diese jedoch bislang noch auf die Kontrolle der Nachrüstung von Heizungs- und Warmwasseranlagen beschränkt.